EHRA - Radios aus Werdau

Nach dem Krieg gab es überall kleine Radiofirmen, fast alle sind heute vergessen. Auch aus Werdau kamen damals Radios. Die Geräte von EHRA gehören heute zu den großen Raritäten. Derzeit sind 6 erhaltene Geräte bekannt. In unserer Sammlung finden sie davon 3.  Vielen Dank all denen, die mich dabei unterstützten, Informationen zu sammeln, die den Telefonhörer nicht wieder auflegten, mir Bilder zur Verfügung stellten oder sogar ein Gerät beisteuerten. Es ist für mich sehr spannend, wie sich nach 60 Jahren noch Zeitzeugen erinnern, ehemalige Mitarbeiter gefunden werden und eine Zeit in Gedanken auflebt, wo aus Mangel an allem improvisiert und gebastelt wurde, Mitarbeiter durch eine Sammlung ihre Firma retten wollten und diese dann doch zugrunde ging.

            

seltene Häufung von Ehra - Geräten

Stichworte Firmengeschichte (RM.org)

Ehra, Rudolf Ehrhardt; Werdau/Sa. (Ostd.): Gründung 1946 durch Ing. Erhardt und Erich Weiss (dieser bis 1949); Löschung am 1.1.1952 nach Flucht des Firmeninhabers. Radiofertigung 1946 - 1952. Auch Fertigung von Modelleisenbahnen. Der Produktionsstandort wechselt mehrfach. (zuerst Burgstraße 18, dann Brühl, dann Pleißenburg.) Der Betrieb wird 1953 aufgelöst und Reste des Materials gehen an die Fa. Teubner, die Belegschaft und die Gehäusetischlerei Seifert.

Ein Lizenzvertrag mit Telefunken war 1949 Grundlage der Fertigung von Supern. Der vollständige Vertrag liegt unter Dokumente (in der Fußzeile).

Quelle: Stiftung Deutsches Technikmuseum, Foto: Historisches Archiv

Geräteübersicht:

Modellübersicht im RM.org.  Es ist nicht gesichert, dass auch alle produziert wurden. Nur 7 Geräte sind derzeit bekannt.

Diese Geräte sind sicher heute noch vorhanden bzw. nachgewiesen: 

 bekannte und sicher verbürgte Geräte mit Baujahr Seriennummern
Vogtland 4GW6K                          ca. 19481070
Sinfonie 659 W                              ca. 1949     OSW-Röhren2093
Sinfonie 659 W                              1949 / 50   OSW-Röhren2177
 Sinfonie 659 W                              1949 / 50   11er Serie2532
 Ehra Super 661W                         1949 / 50   OSW und 11er Röhren3276
 Ehra Allstrom Super 641 GW    1951 / 52    U-Röhren 11er Serie3816
 Wechselstrom - Super 852 W    1952 / 53 

      

ein frühes Gerät von EHRA, um 1948

Vogtland, 6GW 6K, Schattenzeiger, Elkos von 1944

Seriennummer 1070

EHRA Sinfonie 659 W mit OSW-Röhren, 1949 / 50          Seriennummer 2177

     

EHRA Sinfonie 659 W , 1949 / 50            (Sammlung Möckel) mit Röhren der "harmonischen Serie" (E-Röhren) Seriennummer 2532

Innenleben des Ehra Sinfonie 659 W

                 

Ehra Super 661 W

       

Röhrenbestückung Ehra Super 661 W

EHRA Super 852 W (Sammlung Pfau) , 1952 / 53

Diese beiden Geräte sind nach Angabe ihrer Besitzer ebenfalls von EHRA. Es finden sich jedoch keine Hinweise dafür an den Geräten.

                   

Sammlung Herr Minor)                                                                                    Unbekannt

Erinnerungen an EHRA
Ingo Froese, Gera: (Ehra Vogtland 6 GW 6K)

Ich selbst bin überhaupt kein Sammler. Mit dem in Rede stehenden Radio verbinden mich lediglich familäre Erinnnerungen. Das Gerät war das erste Radio, das meine Eltern nach dem Krieg erworben haben. Wir wohnten damals in Werdau und da lag es nahe, ein einheimisches Erzeugnis zu kaufen, wobei ich glaube, dass mein Vater damals dafür kein Geld gegeben hatte. Geld war in jenen Zeiten reine Nebensache. Mein Vater betrieb damals in Werdau einen kleinen Maschinenbaubetrieb, und so glaube ich, dass er vielleicht als Gegenleistung für das Radio Aluminiumblech oder irgendein anderes Material gegeben hat. Ich kann ihn leider nicht mehr danach fragen, denn er ist schon vor Jahren gestorben. Ich selbst bin Jahrgang 1942 und habe noch aus meiner Vorschulzeit ganz plastische Erinnerungen an das Radio, mit dem ich und meine Geschwister "Onkel Tobias" vom RIAS und andere Kindersendungen gehört haben. - Auch mein Bruder, der ein bisschen jünger ist als ich und der noch heute in Werdau lebt, bestätigt solche Erinnerungen. Ich erwähne das bloß deshalb so umfassend, um zu verdeutlichen, dass das Baujahr wesentlich vor 1949 gelegen haben muss. Auch im familären Sprachgebrauch war immer die Rede vom "Vogtland", obwohl sich diese Bezeichnung in keiner Dokumentation mehr finden lässt.

Bei radiomuseum.org sind Ehra-Typen, teilweise mit Bild und Schaltplan, aufgeführt. Aber alle ab 1949 und mit wesentlich modernerer Schaltungskozeption. Es sind da schon richtige Wechselstromnetzteile verbaut und teilweise Abstimmanzeigen mit magischem Auge. Da war ja beim "Vogtland" überhaupt noch nicht daran zu denken. Nach meiner Kenntnis ist die Rückwand, die ja diese Bezeichnung trägt, niemals ausgewechselt worden. - Gewechselt worden sind hingegen pausenlos die Röhren, es sind halt Verschleißteile! Ich glaube, eine einzige "VALVO"-Röhre ist noch original. Die anderen sind bereits RFT-Röhren.

Interessant war für mich auch auf Eurer Plattform im Abschnitt "Radios aus Werdau", dass da neben Ehra auch die Firma Teubner aufgeführt ist. Eine traditionelle Firma Teubner in Werdau ist mir sehr wohl bekannt, aber nicht als Hersteller von Rundfunkgeräten. Bei Teubner konnte man Radios und später auch Fernseher kaufen, überdies jede Art anderer elektrischer Geräte. Auch eine Werkstatt wurde betrieben, aber meines Wissens nach nur als Reparaturwerkstatt. Dass die mal produziert hätten, ist mir nicht bekannt. Aber umso interessanter, wenn Ihr dazu noch näherer Infomationen hättet. - Für uns als Kinder bzw. Jugendliche war "Teubner" ein Zauberwort, denn in seinem Geschäft konnte man mal ein paar Meter Draht, eine spezielle Batterie, einen Widerstand, einen Kondensater oder, oder ...... kaufen, woran im übrigen Handel damals nicht zu denken war!

Das Gerät von Herrn Froese, der EHRA Vogtland

Zur Geschichte der Firma:

Bei der Gehäusetischlerei für die Radios von Ehra handelt es sich um die ehemalige Tischlerei Helmut Seifert, Turnhallenstraße 1. Die Tischlerei arbeitete noch bis 2005. Der Standort der Produktionsstätte war die ehemalige Gaststätte Pleißenburg in Werdau. Das Gebäude steht nicht mehr. Die  Burgstraße 18 war wohl der erste Standort. Auch diesen gibt es nicht mehr. Die Werkstatt befand sich im Hinterhaus. Einige Anwohner konnten sich noch daran erinnern. Dort wurden Trafos gewickelt und montiert.
Herr Seifert erzählte uns einige Details aus der Geschichte von Ehra und der Tischlerei. Diese Erinnerungen werden wir mit denen von Herrn Johns (ehemaliger Mitarbeiter bei Ehra) verbinden und dann hier darstellen.



historische Postkarte der Turnhallenstraße in Werdau



Haben sie Informationen zur Firma EHRA oder ein Gerät? Bitte lassen sie mir diese Information zukommen. Bitte senden sie mir auch Bilder des Gerätes und die Seriennummer.

Vielen Dank an Herrn H. Breß für die Infos zu seinem Gerät mit der Seriennummer 2093:

Vermutliche heutige Röhrenbestückung:

6K7 Fivre Italia 32   / AZ11 TPW  /  B1 (neben der Röhre, aber nicht auf der Röhre steht noch mit Bleistift die Bezeichnung:6A8 /  6F6 VT-66 Made in USA /   6Q7 Ectron Made in USA 704

Rückseite des Sinfonie von Herrn Breß